Mit dem Programm konnten vier Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden

Simone Riedel Riley leitet die Geschäftsstelle des Technologiefonds

Vier Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart

Mehr als 120 Start-ups und KMU wurden mit Mitteln aus dem Technologiefonds des Bundes gefördert. Das Programm gewährt Bürgschaften für Darlehen an Schweizer Unternehmen, deren Vorhaben eine nachhaltige Reduktion der Treibhausgasemissionen ermöglichen.

Firmen mit einer Vision von einer nachhaltigen Zukunft, die hartnäckig am Ball bleiben – wie das Schweizer Unternehmen Designwerk Products, das LKW und Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb entwickelt, zeigen wie es geht. An solche Art von unternehmerischen Projekten richtet sich die Förderung durch den Technologiefonds des Bundes. Seit seiner Lancierung 2014 wurden mit diesem Instrument insgesamt rund 120 KMU mit Bürgschaften für Kredite in Höhe von mehr als CHF 200 Millionen unterstützt.

Simone Riedel Riley leitet die Geschäftsstelle des Technologiefonds, der seinen Sitz in Zürich beim Unternehmen Emerald Technology Ventures hat. Sie erklärt die genauen Zugangsvoraussetzungen und die Bedeutung dieses Instruments für die Klimapolitik der Schweiz.

Wie würden Sie Emerald Technology Ventures in wenigen Worten beschreiben?

Simone Riedel Riley: Emerald Technology Ventures ist ein Risikokapitalfonds und ein strategischer Innovationspartner, der weltweit im Bereich der industriellen Technologien tätig ist. Im Rahmen unserer Aufgabe helfen wir nicht nur unseren Kunden bei ihren Investitionen in vielversprechende Technologien, sondern wir teilen auch unser Wissen mit ihnen, damit der kommerzielle Erfolg von nachhaltigen Innovationen zugunsten unseres Planeten beschleunigt wird. Im Alltag beschäftigen uns bei der ständigen Suche nach Innovationen Fragen wie „Welche Unternehmen könnten künftig interessant werden?“, „Welche Technologien werden die Zukunft prägen?“ und Ähnliches.

Emerald Technology Ventures ist mit der operativen Leitung des Technologiefonds betraut. Was ist das für ein Fonds?

Riedel Riley: Der Technologiefonds ist ein wichtiges Instrument der Schweizer Klimapolitik. Unser Kunde ist das Bundesamt für Umwelt, die Gelder erhalten wir auf der Grundlage des CO2-Gesetzes. Wir versuchen, die öffentlichen Gelder so gut wie möglich mit dem Ziel einzusetzen, nachhaltige Innovationen von privaten Firmen zu unterstützen.

Welche Kriterien muss man erfüllen, um von einer Förderung durch den Fonds zu profitieren?

Riedel Riley: Ein Start-up oder ein KMU muss drei Hauptkriterien erfüllen, um Zugang zum Technologiefonds zu erhalten. Erstens muss es die positiven Auswirkungen seines Projektes auf die Umwelt belegen können. Gemessen werden diese daran, wie viele CO2-Äquivalente im Laufe der nächsten drei Jahre eingespart werden. Zweitens muss das Vorhaben innovativ sein und es muss verlässliche Vermarktungschancen dafür geben. Das Unternehmen muss eine technologisch kreative Lösung anbieten, sei es im Hinblick auf ein Verfahren, ein Produkt oder eine Software. Drittens muss die Kreditwürdigkeit gegeben sein. Wir fordern einen Businessplan, aus dem hervorgeht, wann und wie das Unternehmen in der Lage sein wird, das von uns verbürgte Darlehen zurückzuzahlen. Für jedes Unternehmen liegt die maximale Darlehenssumme bei drei Millionen und die maximale Laufzeit der Bürgschaft beträgt 10 Jahre. Im Durchschnitt benötigen die Unternehmen für die Rückzahlung des Darlehens sieben Jahre.

Wie hoch ist der Prozentsatz der KMU, die nicht in der Lage waren, das Geld zurückzuzahlen?

Riedel Riley: Bisher konnten sechs von mehr als 120 Firmen das Darlehen nicht zurückzahlen.

In welchen Bereichen sind die KMU hauptsächlich tätig?

Riedel Riley: Die Unternehmen, die wir unterstützen, sind in 14 Wirtschaftszweigen aktiv. Zentrale Sektoren sind Mobilität, Ernährung und Landwirtschaft. Ebenfalls einen hohen Stellenwert haben Themen wie Solarenergie sowie Heizung, Lüftung und Klima. Aber was mir an unserer Arbeit besonders gut gefällt, ist die Vielfalt. Technologien zur Verminderung von CO2-Emissionen lassen sich schliesslich in allen Branchen implementieren. In jeder Industrie gibt es Verbesserungspotenzial.

Wie viele Tonnen CO2 konnten mit Hilfe des Programms eingespart werden?

Riedel Riley: In den letzten sechs Jahren konnten mit dem Programm vier Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Allein im Jahr 2020 waren es durchschnittlich 17’500 Tonnen CO2 pro Unternehmen. Ich finde, dass sich diese Bilanz wirklich sehen lassen kann, denn in der gesamten Schweiz beläuft sich der Ausstoss in CO2-Äquivalenten auf 47 Millionen Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich: Wenn Sie ein Auto mit einem Benzinverbrauch von fünf Litern haben und damit pro Jahr 20’000 Kilometer fahren, belaufen sich die CO2-Emissionen auf rund 2,4 Tonnen pro Jahr.

Sind Sie auf eines der Start-ups des Programms besonders stolz?

Riedel Riley: Das ist eine schwierige Frage! Ich persönlich finde, dass Designwerk Products ein interessantes Beispiel ist. Das Unternehmen entwickelt LKW und Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb. Obwohl alle sagten, dass Elektro-LKW niemals funktionieren können, dass sie nicht weit genug fahren könnten, dass die Batterien zu schwer seien und so weiter, baut diese Firma heute bis zu acht E-LKW pro Monat. Sie verzeichnet ein rasantes Wachstum und wurde gerade von der Volvo-Gruppe übernommen. Ihr Sitz befindet sich in Winterthur. Für mich sind sie ein schönes Beispiel, weil sie beweisen, dass man mit Beharrlichkeit das Verhalten der anderen verändern kann.

Im Laufe des letzten Jahres haben wir eine Umweltkatastrophe nach der anderen erlebt. Haben Sie den Eindruck, dass sich die Mentalität der Menschen verändert hat, seit Sie mit diesem Programm begonnen haben?

Riedel Riley: Auf jeden Fall! Ich spüre einen riesigen Unterschied. Als wir vor sieben Jahren mit dieser Tätigkeit anfingen, fragten uns die Leute: „Glaubt ihr wirklich, dass sich irgendjemand Sorgen wegen CO2 macht?“ Ich mache keine Witze, das war wirklich schockierend. Abgesehen von einer Gruppe von Fachleuten, die sich mit dem Thema Klimawandel und CO2-Reduktion auskannten, war das für niemanden beunruhigend. Inzwischen weiss dagegen ein Grossteil der Bevölkerung, dass die Verminderung der CO2-Emissionen für die Zukunft unerlässlich ist. Und dass es die billigste Lösung ist, denn nichts zu machen, würde bedeuten, für die Schäden aufkommen zu müssen, die durch Überschwemmungen, Brände usw. verursacht werden.

Die Revision des CO2-Gesetzes wurde in der Volksabstimmung vom 13. Juni 2021 abgelehnt. Dieses Ergebnis zeugt doch von gewissen Vorbehalten bei Teilen der Bevölkerung, wenn es um Veränderungen geht… Wie sieht es da bei den Start-ups und den KMU aus?

Riedel Riley: Das ist eine gute Frage, die ich mir häufig stelle. Im Start-up-Sektor gibt es viele Gründerinnen und Gründer, die auf Veränderungen im Konsumverhalten setzen. Sie haben keine Angst vor der Zukunft, sie wissen, dass wir unsere Wirtschaft transformieren und uns anstrengen müssen, und sie bieten Lösungen an, wie das gelingen kann. Sie suchen den Wandel. Aber es gibt auch andere Unternehmen unter den KMU, die in diesem Bereich noch nicht besonders innovativ sind. Sie bieten seit Jahrzehnten dieselben Produkte an und fürchten, dass ihre Rentabilität abnimmt, wenn neue Regelungen gelten sollten.

https://www.kmu.admin.ch

Quellenangabe:
Presseinformation: leisure communications, 30.09.2021